29. Dezember 2002, Der Spiegel          


Die Afrika-Connection der al-Quaida

Mehr als ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September sind sich internationale Ermittler sicher, dass die Terrororganisation al-Qaida massiv von den westafrikanischen Ländern Liberia und Burkina Faso unterstützt wurde. Selbst die Präsidenten der beiden Staaten sollen involviert gewesen sein.

Washington - Erste Berichte über die dubiosen Geschäfte des Terror-Netzes mit den Militärherrschern von Liberia und Burkina Faso gab es bereits kurz nach dem 11. September. Immer wieder war Ermittlern bekannt geworden, dass al-Qaida-Leute nach West-Afrika gereist waren, um Diamanten zu kaufen. Diese werden dort unter militärischer Überwachung und unter menschenverachtenden © dpa - President Charles Taylor Umständen gefördert. Der Verdacht lag nahe, dass die Qaida das Geschäft mit den sogenannten Blutdiamanten suchte, um auf der ganzen Welt handeln zu können ohne Spuren zu hinterlassen.
Mittlerweile sind die Fahnder nach Informationen der "Washington Post" ein ganzes Stück voran gekommen. Der US-Zeitung liegt nach eigenen Angaben ein Bericht vor, der mit Hilfe von verschiedenen Geheimdiensten, dem Militär und nach Gesprächen mit Insidern erstellt wurde. Demnach soll die Unterstützung der Qaida durch den liberianischen Herrscher Charles Taylor massiver gewesen sein als bisher bekannt. Taylor soll sogar eine Million Dollar in bar erhalten haben, um erst zwei und später vier Top-Leute des Terror-Netzes in seinem Land zu verstecken. Er und der Präsident von Burkina Faso sollen die al-Qaida-Leute daraufhin in Liberia und in einer persönlichen Erholungsanlage des Präsidenten in Burkina Faso versteckt haben. Die beiden Staatschefs bestreiten diese Vorwürfe vehement.

Diamanten für illegale Waffen

Laut der "Post" ergebe sich aufgrund des Berichtes ein genaueres Bild des Vorgehens der Qaida, die offenbar schon seit den beiden Anschlägen auf US-Botschaften in Afrika im Jahr 1998 im Handel mit Blutdiamanten mitmischt. Mit den Schmuck-Steinen finanzierte die Terror-Organisation Plots in aller Welt. Zeitweise sollen die Terroristen so viele Diamanten gekauft haben, dass kein anderer Händler in Liberia mehr an die Steine kam, so der Bericht.

Mit den Diamanten sollen später bei anderen Staaten Waffen und auch Raketenwerfer zum Flugzeugabschuss erworben worden sein. Ein Beleg für den illegalen Handel mit den Steinen ist auch, dass sie nie an einem der Hauptumschlagsorte wie Antwerpen ankamen, sondern einfach vom legalen Weltmarkt verschwanden. Selbst konkrete Bestellungen bei diversen Waffenhändlern auf dem Globus liegen der "Post" vor.

Doch so interessant die Details der neuen Ermittlungen sind, umso erstaunlicher ist die Reaktion aus den USA. Denn laut der "Post" interessieren sich die US-Ermittler von CIA und FBI kaum für die Erkenntnisse der internationalen Fahnder nach den Geldwegen der Qaida. Bisher hätten diese auch nicht besonders tatkräftig an den Ermittlungen mitgewirkt, die von Belgien ausgingen.


added by: Robert W. Kranz (Dec-2002)